Sam GrigorianDe/En

Bio

Sam Grigorian. Geboren Jerewan, 1957. Berlin seit 1992.

Sam Grigorian wurde in Armenien geboren. Mit vierzehn Jahren war das Malen keine Leidenschaft, sondern ein innerer Zwang. Eine frühe und vollständige Erkenntnis, dass das, was er sagen wollte, nur durch Farbe und Oberfläche gesagt werden konnte. Seine Arbeit wurde in den folgenden Jahren zunehmend expressionistischer, extremer in der Ausführung, fordernder im Umgang mit dem Material.

Er begann in den späten 1970er und 1980er Jahren in Armenien auszustellen und erhielt Anerkennung in der Staatlichen Galerie und im Museum für Moderne Kunst in Jerewan. Die politischen Verhältnisse der späten Sowjetzeit zogen ihn nach Westen. 1992 zog er nach Berlin, wo das Atelier bis heute geblieben ist.

Sam Grigorian, photographed in the studio in Berlin.
Sam Grigorian. Im Atelier fotografiert.

Die internationale Positionierung seiner Arbeit zeigte sich früh. 1995 nahm er an der Art Cologne in der Galerie Nothelfer teil, gemeinsam mit Cy Twombly, Richard Serra und Robert Rauschenberg. 2002 wurde sein Werk in der Galerie De Rijk in Den Haag neben Antoni Tàpies, Karel Appel und Pierre Alechinsky gezeigt. Diese Platzierungen waren kein Zufall. Sie stellten einen Anspruch darüber auf, wohin die Arbeit gehört.

In dieser Zeit begann Sam zu verstehen, was Papier werden kann. Er erkannte, dass altes Papier Zeit in sich trägt. Jahrzehnte des Gebrauchs, des Schreibens, des Vergessens, eingeschlossen in seinen Schichten. Mit Décollage-Techniken, Kratzen, Abheben, Reißen, Freilegen, lernte er, diese Zeit an die Oberfläche zu holen und ihr durch den Eingriff neues Leben zu geben. Besonders Notenpapier fand seinen Weg in die Arbeit: abgegriffene Partituren, die nicht nur Zeichen tragen, sondern eine Geschichte der Berührung, der Wiederholung, des Klingens. Das Material war nicht länger Träger. Es war Gegenstand.

Interior of the studio, Berlin, 2021. Works in progress visible against the wall.
Atelier, Berlin, 2021

Im Zentrum seiner Praxis liegt eine unwahrscheinliche, aber tief empfundene Verbindung. Die strukturelle Freiheit des Jazz, die Art, wie Miles Davis, Thelonious Monk und John Coltrane aus Improvisation und Zurückhaltung etwas Großes schufen, zieht sich als Methode und Haltung durch Sams Arbeit. Daneben stehen die illuminierten Manuskripte des frühen armenischen Christentums, mit ihrer verdichteten Geometrie, ihrem Gold, ihrem Gefühl, dass jeder Strich ein devotionales Gewicht trägt. Und die Moderne Kunst als Raum, in dem diese beiden Quellen endlich zusammentreffen konnten. Das Ergebnis ist ein Werk, das keiner einzelnen Tradition angehört und leise aus allen dreien schöpft.

Regelmäßige Einzel- und Gruppenausstellungen in Europa, den USA, Australien, Singapur und Armenien folgten und vertieften eine Praxis, die sich zwischen Malerei, Arbeiten auf Papier und großformatigen Oberflächenkonstruktionen bewegt. Werke befinden sich in Sammlungen in all diesen Regionen.

Die fortlaufende Serie Happiness, seit 2016 entstanden und überwiegend in gemischten Medien auf Leinwand gearbeitet, nimmt ihren Titel von dem, was bleibt, nicht von dem, was hinzugefügt wird. City, Behind the Fence und Visit from Another Planet folgen derselben Logik: eine Oberfläche, die nur durch Entfernung preisgibt, was sie hält.

Werke befinden sich im New Orleans Museum of Art, im Museum für Moderne Kunst Armeniens, in der Stiftung Reinbeckhallen Collection sowie in weiteren privaten und institutionellen Sammlungen weltweit.